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Was für eine Aussage! Ich liebe sie! Und sie traf den Nagel auf den Kopf.

Ausgesprochen wurde sie von Lara*, einer meiner Schulanfängerinnen, im Umkleideraum der Mädchen. Ich hetzte gerade zwischen den Umkleideräumen von Mädchen und Jungen umher, erklärte nochmals, dass wir uns die Hände nochmals waschen müssen, öffnete den X-ten Reißverschluss, (Warum müssen die Eltern den Mädchen gerade an dem Tag, an dem wir Sport auf dem Stundenplan haben die schönsten Kleidchen mit Rüschen und Schleifchen anziehen?) knüpfte die gefühlte zwangstigste Schleife und beruhigte die Kleinen, die gefühlt schon eine halbe Stunde auf die letzten Nachzügler warteten. Dieses Warten stellte nicht nur die Kleinen auf eine harte Geduldsprobe. In meinem Hinterkopf flogen die Minuten nur so dahin, die ich gern mit den Kindern endlich mit der ersten Sportstunde füllen wollte. Da standen noch die Belehrungen und das Kennelernen der Räumlichkeiten auf dem Plan und ein wenig spielen wollten wir ja auch noch.

Ja, und diesen Stress, den ich mir natürlich wieder einmal nur selbst machte, spürten die Kleinen wohl … Und so kam es zu der Aussage: „Frau Otte ist grummelig.“ Nachdem Lara diese Worte in den Raum geworfen hatte, sahen die Mitschülerinnen sie strafend an. Wie konnte sie das wagen?

Es kam auch gleich die Meldung an mich: „Frau Otte, Lara hat gesagt, du bist grummelig.“ Aber wie erstaunt war die Meute, als ich mich nicht mehr halten konnte, loslachte und meinte: „Lara hat wohl recht. Ich bin grummelig.“ Wie feinfühlig die Kleinen doch sein können!

*Name frei erfunden